Leine los und ganz schnell wieder dran!
Jeanette und ich trafen uns zu diesem Experiment in GE an einer Halde in der unmittelbaren Nachbarschaft des Ruhrzoos (ähm - "ZOOM Erlebniswelt", meine ich natürlich!), einem Gebiet, dass keine Straßen in der Nähe hat, relativ gut einsichtig ist und (ganz wichtig natürlich) Kaninchen hat.
Jeanette hat mal sicherheitshalber alle ihre drei Hunde mitgenommen (davon zwei ausgebildete Suchhunde - just in case *g*).
Erstmal haben wir ein paar Versteckübungen gemacht, d.h. Jeanette hat den Hund an der SL geführt und wenn er sich länger nicht umgesehen hat, bin ich in eine andere Richtung verschwunden. Hat super geklappt - er ist mir dann immer sofort hinterher. Dann hat Moritz Glöckchen ans Geschirr bekommen, damit man ihn auch ohne Sichtkontakt orten konnte, tja, und dann haben wir mal "abgeleint" und geschaut, was passiert - und siehe: Es hat auch da funktioniert!
Der kleine Jagdgeier hat sich zwar recht weit entfernt, aber hat immer mal wieder den Blickkontakt gehalten und ist auf Ruf angeschossen gekommen (wofür er natürlich fürstlich mit Fleischwurst belohnt wurde). Nur einmal ist er einer Spur nachgesetzt, aber auch da war er wieder recht schnell wieder ansprechbar.
Ich war zugegebenermaßen mittlerweile ziemlich unsicher. Ich hatte schon die Befürchtung, es sei vielleicht noch zu früh, aber Pia meinte auch, man müsse halt auch einfach mal sehen, was er denn nun macht, wenn er nicht mehr an der SL ist. Aber: Wenn man so einen Jäger mal hetzen gesehen hat (wie ich Moritz bei seinem winterlichen 2-Stunden-Jagdausflug zu Beginn des Jahres), dann kann man schon mal die Flatter kriegen. Aber diese Übungsstunde hat mir doch wieder ein Stück Sicherheit zurückgegeben. Werden wir jetzt weiter üben! Zudem werde ich einen Komm-Pfiff aufbauen.
Zweiter Versuch: 15.10. - und mal ganz schnell wieder an die Leine!
Und die Zweifel waren doch berechtigt - beim zweiten Mal ging's schon daneben.
Wir haben es in einem Grünstreifen probiert, wo es keinen direkten Zugang zu Straßen gibt, allerdings führt eine Brücke darüber. Ich war mit meiner Mutter spazieren. Moritz traf eine Hündin, die ihm gefiel und beide waren zum Spielen aufgelegt. 10-15 Minuten ging alles gut - Moritz kam auf jedes Rufen. Dann jedoch - als hätte er einen Schlag bekommen - (ich habe es immerhin kommen sehen, das wäre vor dem AJT nicht so gewesen) - ging's los. Zunächst hetzte er einen Vogel, dann den nächsten, usw.
Der Superschlachtruf funktionierte zwar, aber Moritz ist nicht so nah gekommen, dass man ihn greifen konnte - schlauer Hund! Dafür saßen vier fremde Hunde brav vor mir und hofften auf Wurst - während meiner sich dem Adrenalin- und Endorphinrausch der Hatz hingab.
Dank Bärenglocke am Geschirr konnte ich ja meistens hören, wo er ungefähr war und mir sackte das Herz in die Hose als er eine Böschung hinauf aus dem Grünstreifen auf die Brücke lief (vielbefahrene Straße) . Das war wirklich haarscharf!
Gott sei Dank lief er dann wieder am anderen Ende wieder hinunter und nach einer Stunde konnte ich ihn an einem Mauseloch stellen... Für mich erstmal Ende der Leinenfreiheit - für solche Experimente wohne ich persönlich einfach zu städtisch - die Gebiete, die ich ihm hier "sicher" bieten kann, sind für meinen Hund auf der Jagd im Nullkommanix zu durchstreifen.
Gut, dass Mutter das mal miterlebt hat - sie war ziemlich fassungslos und ist schließlich mit Hunden aufgewachsen! Wer einen richtigen Jagdgeier noch nicht erlebt hat, der kann sich das nicht vorstellen.
Das war der Moment, wo ich dachte: Hier stimmt was nicht. War doch eigentlich klar, dass das passieren würde - der Hund steht ja gar nicht zuverlässig im Kommando und entfernt sich ja noch viel zu weit von mir... Pia meinte dazu, man muss den Freilauf einfach trainieren, am Anfang noch nicht zu lange ableinen, wenn er durchstartet Ruhe bewahren usw. Und just an dem Abend hat sich in einem Jagdhundeforum eine Leidensgenossin über einen ähnlichen Vorfall ausgeheult und ein Jäger in diesem Thread hat so gut das Verhalten meines Hundes im Jagdrausch beschrieben, dass ich nur noch baff war!
Nach kurzen Email-Kontakt mit ihm war ich überzeugt, es bei der KJS zu probieren: Und darauf hin habe ich dort angerufen und mich nach einem Hundeführerlehrgang oder ähnlichem erkundigt. Mein Ziel dabei: Grundgehorsam verbessern und sich zeigen lassen, wie Jäger Kontrolle am Wild herstellen.
Und es war eine sehr gute Entscheidung: Ich bin einem Jäger in die Hände gefallen, der durchaus mit viel positiver Verstärkung arbeitet, und habe mich noch nie so gut betreut gefühlt (mehr davon erzähle ich hier).



Ich bin fertig!! 
