Antijagdtraining

Saturday, October 07, 2006

Leine los und ganz schnell wieder dran!

Der Feiertag wurde ein richtiger Feiertag - am 3.10.2006 war es endlich so weit: Moritz durfte das erste Mal, seit wir mit dem AJT im November 2005 begonnen haben, von der Leine, obwohl Wild in der Gegend war...

Jeanette und ich trafen uns zu diesem Experiment in GE an einer Halde in der unmittelbaren Nachbarschaft des Ruhrzoos (ähm - "ZOOM Erlebniswelt", meine ich natürlich!), einem Gebiet, dass keine Straßen in der Nähe hat, relativ gut einsichtig ist und (ganz wichtig natürlich) Kaninchen hat.
Jeanette hat mal sicherheitshalber alle ihre drei Hunde mitgenommen (davon zwei ausgebildete Suchhunde - just in case *g*).

Erstmal haben wir ein paar Versteckübungen gemacht, d.h. Jeanette hat den Hund an der SL geführt und wenn er sich länger nicht umgesehen hat, bin ich in eine andere Richtung verschwunden. Hat super geklappt - er ist mir dann immer sofort hinterher. Dann hat Moritz Glöckchen ans Geschirr bekommen, damit man ihn auch ohne Sichtkontakt orten konnte, tja, und dann haben wir mal "abgeleint" und geschaut, was passiert - und siehe: Es hat auch da funktioniert!


Der kleine Jagdgeier hat sich zwar recht weit entfernt, aber hat immer mal wieder den Blickkontakt gehalten und ist auf Ruf angeschossen gekommen (wofür er natürlich fürstlich mit Fleischwurst belohnt wurde). Nur einmal ist er einer Spur nachgesetzt, aber auch da war er wieder recht schnell wieder ansprechbar.

Ich war zugegebenermaßen mittlerweile ziemlich unsicher. Ich hatte schon die Befürchtung, es sei vielleicht noch zu früh, aber Pia meinte auch, man müsse halt auch einfach mal sehen, was er denn nun macht, wenn er nicht mehr an der SL ist. Aber: Wenn man so einen Jäger mal hetzen gesehen hat (wie ich Moritz bei seinem winterlichen 2-Stunden-Jagdausflug zu Beginn des Jahres), dann kann man schon mal die Flatter kriegen. Aber diese Übungsstunde hat mir doch wieder ein Stück Sicherheit zurückgegeben. Werden wir jetzt weiter üben! Zudem werde ich einen Komm-Pfiff aufbauen.


Zweiter Versuch: 15.10. - und mal ganz schnell wieder an die Leine!

Und die Zweifel waren doch berechtigt - beim zweiten Mal ging's schon daneben.

Wir haben es in einem Grünstreifen probiert, wo es keinen direkten Zugang zu Straßen gibt, allerdings führt eine Brücke darüber. Ich war mit meiner Mutter spazieren. Moritz traf eine Hündin, die ihm gefiel und beide waren zum Spielen aufgelegt. 10-15 Minuten ging alles gut - Moritz kam auf jedes Rufen. Dann jedoch - als hätte er einen Schlag bekommen - (ich habe es immerhin kommen sehen, das wäre vor dem AJT nicht so gewesen) - ging's los. Zunächst hetzte er einen Vogel, dann den nächsten, usw.

Der Superschlachtruf funktionierte zwar, aber Moritz ist nicht so nah gekommen, dass man ihn greifen konnte - schlauer Hund! Dafür saßen vier fremde Hunde brav vor mir und hofften auf Wurst - während meiner sich dem Adrenalin- und Endorphinrausch der Hatz hingab.

Dank Bärenglocke am Geschirr konnte ich ja meistens hören, wo er ungefähr war und mir sackte das Herz in die Hose als er eine Böschung hinauf aus dem Grünstreifen auf die Brücke lief (vielbefahrene Straße) . Das war wirklich haarscharf!

Gott sei Dank lief er dann wieder am anderen Ende wieder hinunter und nach einer Stunde konnte ich ihn an einem Mauseloch stellen... Für mich erstmal Ende der Leinenfreiheit - für solche Experimente wohne ich persönlich einfach zu städtisch - die Gebiete, die ich ihm hier "sicher" bieten kann, sind für meinen Hund auf der Jagd im Nullkommanix zu durchstreifen.
Gut, dass Mutter das mal miterlebt hat - sie war ziemlich fassungslos und ist schließlich mit Hunden aufgewachsen! Wer einen richtigen Jagdgeier noch nicht erlebt hat, der kann sich das nicht vorstellen.

Das war der Moment, wo ich dachte: Hier stimmt was nicht. War doch eigentlich klar, dass das passieren würde - der Hund steht ja gar nicht zuverlässig im Kommando und entfernt sich ja noch viel zu weit von mir... Pia meinte dazu, man muss den Freilauf einfach trainieren, am Anfang noch nicht zu lange ableinen, wenn er durchstartet Ruhe bewahren usw. Und just an dem Abend hat sich in einem Jagdhundeforum eine Leidensgenossin über einen ähnlichen Vorfall ausgeheult und ein Jäger in diesem Thread hat so gut das Verhalten meines Hundes im Jagdrausch beschrieben, dass ich nur noch baff war!

Nach kurzen Email-Kontakt mit ihm war ich überzeugt, es bei der KJS zu probieren: Und darauf hin habe ich dort angerufen und mich nach einem Hundeführerlehrgang oder ähnlichem erkundigt. Mein Ziel dabei: Grundgehorsam verbessern und sich zeigen lassen, wie Jäger Kontrolle am Wild herstellen.

Und es war eine sehr gute Entscheidung: Ich bin einem Jäger in die Hände gefallen, der durchaus mit viel positiver Verstärkung arbeitet, und habe mich noch nie so gut betreut gefühlt (mehr davon erzähle ich hier).

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Offene AJT-Gruppe mit Pia

Sonntag, 24.09.06, "Kontrolle am Wild"

Am 24.09.2006 waren wir das erste Mal in der neugeschaffenen AJT-Gruppe für Absolventen mit Pia. Wir trafen uns in GE an der Forststation Rheinelbe in der Hoffnung viele Kaninchen zu treffen, denn es sollte um die Kontrolle am Wild gehen. Wir waren nur zu dritt, so konnten wir zahlreiche wertvolle Tipps mitnehmen.

Kaninchen trafen wir zwar nur eins, aber riechen konnten die Hunde jede Menge. Dementsprechend aufgekratzt war Moritz...

Am Ententeich konnte man auch prima das Abrufen unter Ablenkung üben. Wie immer wurde jedes Vorstehen geclickert; Clickersalven wurden abgefeuert, wenn es nötig war.
Pia empfahl mir außerdem Moritz in mega-aufgeregtem Zustand immer wieder Absitzen zu lassen, bis er sich beruhigt hat. Weitere Tipps: Leine kürzen, um bessere Einflussmöglichkeiten auf den Hund zu haben. Leckerchen zur Belohnung vor den Hund werfen, diesen suchen lassen und, und, und...
Super Nachmittag! :-)


Samstag, 14.10.06, "Kontrolle am Wild 2"

Fünf Mensch-Hund-Teams trafen sich in Essen am Sportpark "Am Hallo" - wieder in der Hoffnung möglichst viele langohrige Freunde zu treffen. Aber: Das Wetter hatte uns einen wunderschönen, warmen Tag beschert und so nahmen die Kaninchen lieber Reißaus!

Ab und an ward eins gesehen und es sollte wiederum ums Clickern des Vorstehens gehen und heute auch - um die Vertiefung des "Schade"-Signals. War ganz schön spannend, denn die einzigen Kaninchen, die sich dazu anboten waren an einer Stelle, an der unmittelbar mehrere Bahngleise vorbeiführten und Pia räumte auch ein, als sie Moritz übernahm und ich "Schade" sagend von dannen stiefelte, dass sie zwischenzeitlich ganz schön schwitzen musste... ;-)
Denn: Das "Schade"-Kommando müssen wir dringend noch vertiefen. Was kümmert's, wo Frauchen ist, wenn ein Hase voraus - die taucht ja doch immer wieder auf! ;-D Also werde ich Moritz jetzt mal immer wieder - dort wo es sich anbietet - anbinden und mich mit "Schade" verabschieden. Eine kleine Verlusterfahrung kann ihm nicht schaden.

Ansonsten hat sich Moritz ganz gut präsentiert und weitgehend prima mitgearbeitet. Einmal hat es Zoff mit Ruby gegeben - seit der Spurensuche mit Keiko ist Moritz ein bisschen eigen geworden, wenn es um "sein" Futter geht - da darf jetzt halt insbesondere kein Rüde mehr zu nahe kommen. :-)

Zwischendurch haben wir auch noch versucht, die Hunde beim Anblick von Wild ruhig zu streicheln - aber das hat bei Moritz noch nicht so gut geklappt. Dafür hat er einen Teppich auf dem Weg hinterlassen... *gg*.

Wir sind schon gespannt auf's nächste Mal...


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Tuesday, September 12, 2006

Zusammenfassung: AJT von 11/2005-9/2006


Da wir erst jetzt ins Bloggen eingestiegen sind, hier eine Zusammenfassung unseres Trainings bisher. Wir arbeiten nach dem Konzept von Pia Gröning und Ariane Ullrich, das auch in Buchform vorliegt: Antijagdtraining. Ein Konzept, das uns endlich von der Methode her entgegenkam (positive Verstärkung) und trotzdem stimmig und erfolgsversprechend schien. Nach zahlreichen negativen Erfahrungen mit "Hundetrainern" hier in der Gegend, habe ich begonnen, mich selbst schlau zu machen und jede Menge Literatur gewälzt und natürlich auch Internetrecherchen durchgeführt. Dabei stieß ich auf das Buch, bestellte es mir und war gleich sehr begeistert: Das war endlich mal ein umfassendes Trainingskonzept! Und da die Hundeschule von Pia in meiner alten Heimat, dem Ruhrgebiet, angesiedelt ist, habe ich mich gleich auch dort zum Training angemeldet. Das AJT arbeitet ausschließlich positiv, d.h. der Hund wird niemals gestraft und selbst Einwirkungen über die Leine sind nicht erwünscht - der Hund soll das gewünschte Verhalten von sich aus zeigen und wird dann entsprechend bestärkt.

Zunächst braucht man eine kleine Trainingsausstattung:
Eine Schleppleine, einen Clicker und jede Menge Leckerchen und/oder Spielzeug. Außerdem rüste man sich mit viel Geduld, Ausdauer und hoher Frustrationstoleranz! ;-) Tja, und wenn man das alles beisammen hat, kann's auch schon losgehen.

Eine Kurzanleitung des AJT findet man auf Pias privater Homepage, deswegen möchte ich gar nicht allzu viel hier dazu schreiben.


Das Schleppleinentraining (SLT) soll den Hund dazu bringen, einen gewissen Radius um den Menschen herum einzuhalten (wir haben mit der 15m SL geübt). Mit einem "Ende"-Signal wird der Hund darüber informiert, dass gleich die Leine das Ende erreicht hat. Läuft der Hund dennoch in das Leinenende, so wartet man, bis er wieder Blickkontakt aufnimmt bzw. er sich umdreht und die Leinenspannung nachlässt. Erst dann geht man weiter (was gleichzeitig für den Hund die Belohnung ist). Außerdem kann man dem Hund das Kommando "Langsamer!" daran beibringen, sowie "Raus da!", das dem Hund das Laufen auf bestimmten Bodenbelägen (Unterholz, etc.) verbietet.


Daneben arbeitet man im Basistraining an der Orientierung des Hundes am Menschen.
So wird z.B. jeder Rückblick des Hundes in Richtung Mensch positiv verstärkt - Click for Blick! Es wird ein Blickkontakt-Kommando konditioniert ("Guck mal"), durch Versteckspiele und Blickkontaktübungen mit Zeitfenster-Vorgabe wird der stetige Augenkontakt trainiert. Außerdem werden Weg- und Richtungswechsel geübt, die idealerweise irgendwann vom Hund ohne Kommando berücksichtigt werden sollten und ein Umkehrsignal wird konditioniert. Fernerhin wird an der Impulskontrolle gearbeitet: Dazu benötigt man u.a. auch das Spielzeug - hier soll der Hund lernen aus dem Spiel heraus sich wieder abzuregen und ruhig zu werden, still abzuliegen und Ruhe zu bewahren.


Bei der Kontrolle am Wild lernt der Hund einen Superschlachtruf, ein wildes "Uiuiuiuiui!" unterstützt durch entsprechende Körpersprache, der eine Superbelohnung ankündigt - was das ist, hängt vom Hund ab. Es kann ein tolles Spielzeug sein, besonderes Futter (z.B. Leberwurst aus der Futtertube, gekochte Hühnerherzen, Katzenfutter) oder z.B. das Mauselochbuddeln in mit Pansen präparierten Mausebauten.
Darüber hinaus wird ein Unterbrechungssignal eingeführt ("Nein!"). Auch das "Komm"-Kommando wird noch einmal sauber konditioniert und generalisiert. Fernerhin wird "Sitz/Platz" auf Entfernung geübt und jedes Vorstehen geclickert, denn der Hund, der vorsteht, "kann nicht hetzen".

Zunächst arbeitet man dabei mit gestellten Situationen und dann soll schließlich bei jedem Spaziergang jedes Zögern, Stehen, In-die-Gegend-Starren des Hundes angeclickt werden.

Für alle Übungen gilt, das man in reizarmen Gelände beginnt (in Münster nahezu unmöglich), die Ablenkung langsam steigert und am Ende auf jeden Fall am lebenden Objekt (z.B. Kaninchenwiese, Wildtiergehege, etc.) arbeitet. Sehr sinnvoll war für uns die Konditionierung eines "Schade"-Signals, das den Verlust des Zweibeiners ankündigt - als ich das mit Moritz im Wald konditioniert habe, konnte ich mich - wie man auf dem Foto sieht - sehr weit entfernen, bevor Monsieur mal entdeckt hat, dass ich nicht mehr da bin. Moritz war auf Wildsuche gewesen, seine SL war an einem Baum festgebunden. Ich hatte dann zweimal ein Komm-Kommando gegeben und nach dem zweiten "Komm", "Schade" gesagt und bin ohne weiteren Rückblick gegangen. Und zwar so weit, dass ich nicht mehr auf den ersten Blick und Geruch zu orten war, habe mich hinter einem Baum versteckt und gewartet, was passiert. Es hat wie gesagt, einige Minuten gedauert, bis der Hund den Verlust überhaupt bemerkt hat. Dann allerdings hat er doch Muffensausen bekommen - wie Pia mal so schön sagte: "Der braucht mal eine ordentliche Verlusterfahrung!". "Schade" sitzt seitdem! ;-))

Neben diesem Training sollten Alternativaufgaben für den Hund gefunden werden, wie z.B. Nasenarbeit und/oder kontrollierte Jagd (z.B. auf Mäuse oder gesunde Hasen). Auch wird vorgeschlagen, Wildfährten an der Leine auszuarbeiten, mit dem Hund zu apportieren u.ä.
Ich habe versucht, Moritz das Apportieren mit dem Futterbeutel schmackhaft zu machen, aber das interessiert ihn nicht wirklich und draußen unter Ablenkung schon gar nicht. Hier wird eine Motivation in kleinen Schritten von Nöten sein. Im Nasenarbeitskurs hat sich schnell gezeigt, dass er auch rasch unterfordert ist. Mantrailing scheint schon am ehesten etwas für ihn zu sein.

Dabei bekommt der Hund eine Geruchsprobe eines Menschen im Plastiktütchen unter die Nase gehalten und soll dann die Spur aufnehmen und verfolgen.
Das Mäusebuddeln war Moritz als Alternativverhalten auch erlaubt. Darauf hatten wir auch den Superschlachtruf aufgebaut.

Zunächst war es ganz gut - denn so hat Moritz plötzlich viel stärker auf mich reagiert; "Mäuschen!" als deutliches Aufmerksamkeitssignal. Er hat sich jedoch sehr bald in seine eigene Welt gebuddelt und wurde während des Buddelns zunehmend weniger ansprechbar.

Am Ende des AJ-Trainings wird der Freilauf geübt. Dazu leint man den Hund vorerst nur kurzfristig ab, damit sich das Erregungslevel nicht allzu hochpushen kann. Das haben wir noch zweimal probiert und gleich beim 2. Versuch ging Moritz wieder zwei Stunden auf die Hatz, so dass ich das ein oder andere in der Ausbildung noch mal überdenken musste und schließlich bei der hiesigen Kreisjägerschaft einen sehr kompetenten Ausbilder fand (s. Jagdgeierausbildung).


Uns hat das AJT auf jeden Fall etwas für die Bindung und den Vertrauensaufbau gebracht. Manches würde ich allerdings heute rückblickend anders angehen - aber Erfahrungen muss man ja auch erstmal machen! :-D
Ich bin fertig!!